Gefahr Tollwut: Der Fall des Welpen aus dem Auslandstierschutz und die Bedeutung der Impfung

Ein schwarzer Hund und eine Spritze

von Dr. Nora Brede

18. Februar 2026

Der Fall eines mit Tollwut infizierten Welpen erschüttert gerade Tierhalter*innen in ganz Deutschland. Wir möchten diesen traurigen Anlass nutzen, um darüber aufzuklären, warum – in unseren Augen – Hunde und Katzen weiterhin geimpft werden sollten. Denn auch weil Deutschland als tollwutfrei gilt, müssen Behörden alles dafür tun, damit sich diese Seuche nicht wieder ausbreitet.

Weltweit stirbt alle zehn Minuten ein Mensch an Tollwut. Davon sind fast die Hälfte Kinder. Es gibt bis heute keine Behandlung gegen Tollwut – wenn die Krankheit ausbricht, ist das ein Todesurteil. Diese Einleitung des Themas ist deswegen wichtig, weil diese Tatsachen der Grund sind, warum Länder darum kämpfen, frei vom Erreger der Tollwut zu sein.  

Tollwut ist meldepflichtig

Hier im deutschsprachigen Raum haben wir vergessen, wie massiv die Gefahr ist, die von Tollwut ausgeht. Die Älteren erinnern sich aber noch an die Warnungen, zutrauliche Wildtiere zu meiden und die Alarmiertheit, die man empfand, wenn ein Tier besonders starken Speichelfluss zeigte – ein häufiges Symptom der Krankheit. Durch aktive Bejagung und mit Hilfe von Ködern ausgebrachte Schluckimpfungen vor allem für Füchse konnte die Tollwut Mitte der 2000er Jahre erfolgreich zurückgedrängt werden. Was nicht stimmt, ist, dass Deutschland vollständig tollwutfrei ist: Vor allem Fledermäuse tragen bis heute eine Erregervariante, die nicht weniger gefährlich ist als die klassische Tollwut. Das ist der Grund, warum im Umgang mit Fledermäusen immer absolute Vorsicht geboten ist.  

Zur Bekämpfung des Wiederaufkommens der Tollwut ist die Infektionskrankheit nicht nur meldepflichtig – es gibt eine eigene Verordnung, die „Verordnung zum Schutz gegen die Tollwut (Tollwut-Verordnung)“. Genau diese Verordnung ist der Grund, warum wir empfehlen, Hunde auch weiterhin gegen Tollwut impfen zu lassen. Und letztendlich die der angrenzenden Länder. Wer mit Hund grenzüberschreitend reist, weiß, dass man um eine Tollwut-Impfung nicht herumkommt. Ungeimpfte Hunde dürfen auch unsere Nachbarländer nicht betreten. Tun sie es doch und werden erwischt, landen sie bestenfalls in einer sehr langen und teuren Quarantäne, auf Kosten des Hundehaltenden.  

Die Tollwut-Verordnung Deutschlands gibt den Behörden Handlungsanweisungen und unterscheidet dabei zwischen einem Verdachtsfall und einem Ausbruch. Der relevante Satz findet sich in § 2:

"Heilversuche sind verboten."

Bei Menschen wird im Fall eines Verdachts, aber auch bei nachgewiesener Infektion eine Simultanimpfung durchgeführt – das ist die einzige Möglichkeit, die bleibt: Das Immunsystem der betroffenen Person schnell auf den Erreger aufmerksam machen, damit es ihn selbst bekämpfen kann.  

Wenn also jeder Versuch der Behandlung – auch durch Simultanimpfungen – bei Tieren verboten ist, was passiert dann? 

Bei Verdacht oder Ausbruch muss die Behörde die Tötung der seuchenverdächtigen Hunde und Katzen anordnen (§7 bis 9). Allein wenn betroffene Hunde oder Katzen einen wirksamen Impfschutz nachweisen können, kann (muss aber nicht) die Behörde eine rigorose, mehrmonatige Quarantäne anordnen. Hatten Hunde ohne wirksamen Impfschutz Kontakt zu erkrankten Tieren, müssen (!) sie getötet werden. Hatten sie Kontakt zu Tieren, die im Verdacht stehen, Tollwut zu haben, können (!) sie getötet werden. Das hängt dann und nur dann von den Umständen ab und gibt den Behörden einen gewissen Ermessensspielraum.  

Behörden können kein Auge zudrücken

Nur im Einzelfall und wenn ein Tier gesichert für mindestens drei Monate eingesperrt werden kann, ohne dass eine Gefährdung von ihm ausgeht, kann davon abgesehen werden, es zu töten. Dabei geht man davon aus, dass durch andere Tiere als Katzen oder Hunde ein geringeres Übertragungsrisiko ausgeht und die Tiere einfacher wegzusperren sind, als das bei Hund und Katze der Fall ist. Grundsätzlich aber verläuft die Tollwut bei Hunden und Katzen aber in einer Art und Weise, dass ein zu großes Risiko besteht, von dem erkrankten Tier verletzt zu werden und damit selbst infiziert zu werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass Behörden dieses Risiko in Kauf nehmen, ist nicht groß. 

Hier geht es nicht um Kulanz oder Tierliebe. Hier geht es um eine Infektionserkrankung, die für Menschen lebensgefährlich ist – das ist die Priorität der Behörden: Gefahrenabwehr. Sie können kein Auge zudrücken. 

Aber wenn Deutschland tollwutfrei ist, ist das nicht ein wenig zu übertrieben, nur wegen einer Verordnung den eigenen Hund oder die Katze zu impfen? 

Das hängt davon ab, welche Risiken man eingehen möchte. Ohne belastbare Daten zur Hand zu haben, ist es definitiv gefährlicher, einen Hund nicht gegen Zeckenbisse zu schützen. Aber für ein paar Euro mehr in der Kombi-Impfung ist der Hund gegen ein Desaster, auf das man im Notfall keinen Einfluss hat, im Sinne der Tollwut-Verordnung geschützt. Die meisten Tollwut-Impfstoffe wirken drei Jahre, was bedeutet, dass die meisten Hunde gerade einmal drei bis vier Male in ihrem Leben die Impfung erhalten müssen.  

Wenn sich Dramen ereignen, wie das jetzt in Rheinland-Pfalz der Fall ist, hat man seinen Hund oder seien Katze geschützt. Denn nicht nur der erkrankte Hund starb, sondern auch die Katze, die im gleichen Haushalt lebte, musste eingeschläfert werden. Was, wenn dieser Hund in seinem kurzen Leben eine Hundeschule besucht hat? In der die Hunde miteinander interagieren durften? Hunde und Katzen in der Nachbarschaft, gemeinsame Spaziergänge, Treffen auf Hundewiesen, Besuche in der Verwandtschaft? Jeder Kontakt eines infizierten Hundes mit Menschen führt zu verordneten Maßnahmen. Jeder Kontakt zu anderen Tieren zu noch drastischeren. Werden die Hunde, mit denen der Hund nach Deutschland transportiert wurde und deren Papiere möglicherweise genauso gefälscht waren, ausfindig gemacht, werden sie höchstwahrscheinlich getötet. Und möglicherweise auch die Tiere, mit denen sie zusammenleben. So ein Szenario eskaliert im Sinne des Seuchenschutzes schnell und massiv.  

Impft Eure Hunde und Katzen

Ist es das wert, ein paar Euro im Laufe des Lebens eines Hundes zu sparen? Wir finden nicht. Impft eure Hunde und Katzen gegen Tollwut. Damit helft ihr, dass sich das Virus nicht wieder ausbreitet und möglicherweise schlaft ihr etwas besser – wir tun es dieser Tage, so unendlich traurig die Geschehnisse sind.