Hirschlausfliegen sind krass, aber nicht extrem gefährlich.

Friday Fact

Hirschlausfliegen sind krass, aber nicht extrem gefährlich. Es sind Fliegen, die sich von Blut ernähren und ganz spezielle, sehr sinnvolle Anpassungen an ihre Lebensweise haben. Lausfliegen besitzen Flügel und die nutzen sie auch, bis sie ihren Wirt gefunden haben. Was ihr Wirt ist, hängt von der Lausfliegen-Art ab, hierzulande sind es (immer häufiger, thanx global warming) Hirschlausfliegen, die vor allem Rehe und Hirsche bevorzugen, aber eben auch Hunde und auch Menschen anfliegen. Sind sie gelandet, brechen sie sich selbst ihre Flügel ab, denn die sind für ein Leben in Haar und Fell nicht notwendig und im Notfall sogar hinderlich. Lausfliegen sind extrem abgeflacht, besitzen ein sehr hartes Außenskelett und können sich blitzschnell vor-, rück- und seitwärts bewegen.

Hirschlausfliege

Die Hirschlausfliege ernährt sich von Blut, das sie über ihren Saugrüssel aufnimmt – der Stich ist kaum zu spüren. Was wir und Hunde allerdings sehr wohl merken, ist das krabbelnde Insekt. Eine Lausfliegen-Mutti entlässt immer nur einen einzigen Nachkommen, die Larve wird bebrütet, bis sie schon verpuppungsreif ist – das nennt sich Pupiparie und ggf. finden wir das Wort sehr niedlich. Die Larve fällt also zu Boden, verpuppt sich und schlüpft dann, wenn wir alle in den Wald gehen, um Pilze zu sammeln, zwischen September und November.

Vor einigen Jahren wurde eine Sau durch das mediale Dorf getrieben: ‚Hirschlausfliegen übertragen Bartonellaaaargh!!1! Herzmuskelentzünduuung!! Hirnhautentzüüündung!!‘ Bartonella ist eine Gattung von Bakterien, die parasitisch in Zellen leben. Und zwar bei uns und vielen anderen Wirbeltieren. Es gibt unzählige Bartonella-Arten und verschiedene lösen manchmal Symptome aus. Für uns in Mitteleuropa ist eigentlich nur CSD relevant – das Cat Scratch Disease bzw. Katzenkratzkrankheit und auch das heilt normalerweise auch ohne medikamentöse Behandlung von alleine ab. Schwere Krankheitsverläufe treten vor allem bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem auf.

Hauptüberträger sind in unseren Breiten Flöhe. Aber die Bartonella-Forschung ist immer noch aktiv, auch weil die globale Erwärmung einen Einfluss auf verschiedene Faktoren hat, die Infektionskrankheiten häufiger und gefährlicher machen können. Katzen (s.o.) und Hunde, Schafe und Nagetiere… sie alle können Bartonella in sich tragen und… zumindest von Schafen weiß man, dass sie die Lausfliegen infizieren, die von ihnen saugen. Nicht andersherum.

Während eine Studie fand, dass 90 % der Hirschlausfliegen Bartonella in sich tragen, zeigt eine spätere Studie, dass es eher 60 % sind – und das auch erst nach der ersten Blutmahlzeit. Davor, wenn die Hirschlausfliegen noch Flügel haben, konnten keine Bartonellen nachgewiesen werden.  Es gibt – soweit wir das recherchieren konnten – keinen expliziten Nachweis einer durch Hirschlausfliegen an den Hund oder einen Menschen übertragenen Infektion mit Bartonella spp. Bei Hunden treten Bartonellosen vor allem bei starkem Flohbefall auf. Aber während die Übertragung von Bartonella durch Katzen einen eigenen Namen bekommen hat, sind solche Fälle bei Hunden nicht bekannt.

Praxistipps:

  • Hunde mit weißem Fell sind für Zecken und Hirschlausfliegen attraktiver als andere Fellfarben, weil sie sich – besonders im Wald – so gut abheben.
  • Hirschlausfliegen bekommt man mit einem Flohkamm, einem Kamm mit sehr engen Zinkenabständen, sehr gut ausgekämmt – muss dann aber echt schnell sein, um ihnen den Pflock geschnitzt aus einer jungfräulichen, in Rimini geborenen Silbereiche aus dem 15. Jahrhundert durch das mittlere der vier Herzen zu treiben, während man den Dämon der Hundewelt, Cerberus, anruft, indem man „Alle meine Entchen“ singt.
  • Oder auch: Habt einen Streifen Klebeband parat, mit dem ihr die kleinen Flitzer fixieren könnt (auf Flohkamm anwenden, nicht auf Hund, bitte!)

Quellen:

Schröter et al. (2020): „Lausfliegen (Hippoboscidae: Diptera) als Vektoren für Bakterien mit Zoonosepotential bei Säugetieren“; Beiträge zur Jagd- & Wildforschung, 45, 193-198

Blagova & Yanev (2021): „Human Bartonella Infection: A Review of Literature”, J. of IMAB 27 (2), 3759-3764

Iannino et al. (2018): “Bartonella infections in humans, dogs and cats”, Veterinaria Italiana, 54 (1), 63-72

Parasitenportal.de: https://parasitenportal.de/achtung-fliegende-zecke-wie-die-hirschlausfliege-pferd-hund-und-mensch-attackiert/ (abgerufen am 20.9.2022)

Zoonosen.net: https://www.zoonosen.net/sites/default/files/redaktion/dateien/Erregersteckbrief_Bartonella_Juni2022.pdf (abgerufen am 20.9.2022)

Bild: Heiko4, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons

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Wir heißen Charly Arzberger ganz herzlich in unseren Reihen willkommen! Nachdem sich im letzten Jahr irre viel bei uns vielen verändert hat, wird sie unser Dozent*innen-Team als diejenige bereichern, die die Kylos im Rahmen ihrer Ausbildung in die wunderbare Welt der Lernpraxis einführt. Charly übernimmt von Christian Junk, der uns zum Glück erhalten bleibt, aber sich ab jetzt voll und ganz darauf konzentriert, dass unsere Technik läuft.
30. Januar 2023/von Malin Schneider

Prüfungskund*innen gesucht in Radevormwald & Umgebung!

Es geht in die nächste Prüfungsrunde und wir hoffen erneut auf eure Unterstützung: Wir suchen motivierte Menschen, die sich am 04. & 05. Februar in Radevormwald einfinden, um unsere angehenden Hundetrainer*innen bei ihrer praktischen Prüfung zu unterstützen.
16. Januar 2023/von Malin Schneider

Winterpause

Kekse, Kuschelsocken, Kerzenlicht - Weihnachten rückt näher und gleichzeitig ruhigere Tage um den Jahreswechsel. 
16. Dezember 2022/von Malin Schneider

Friday Fact: Birkenzucker ist für Hunde tödlich

Alarmismus liegt uns eigentlich nicht. Deswegen haben wir lange überlegt, ob wir den Aufmacher dieses Textes wirklich so formulieren wollen. Aber in diesem Fall glauben wir, dass eine sehr deutliche Warnung angemessen ist. Denn Birkenzucker findet immer öfter Verwendung in industriellen wie selbst hergestellten Lebensmitteln (selbst in manchen Hygieneprodukten) – und für Hunde können schon kleinste Mengen tödlich sein.
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