Hundetrainerin Nina Dany

Das Volo-Wochenende: Ein Erfahrungsbericht

von Nina Dany

Volontäre sind ein wichtiger Teil des KynoLogisch-Teams. Erfahrungsbericht von einem Volontärswochenende.

Im Januar ging es los: Ich trat zusammen mit meinem Hund die Fahrt in den Harz an. Ein Wochenende für alle Volontärinnen – also all diejenigen, die als Helfende, Organisatorinnen und Kümmerer bei KynoLogisch involviert sind. Raus aus dem Grau im Ruhrgebiet und rein ins Weiß des schönen Harzes.

Viel mehr als „nur“ Inhaltslernen

Wir kamen in einem Gruppenhaus unter, in dem alle Menschen und die Hunde Platz fanden. Dies ist nicht selbstverständlich, denn es gibt leider nur wenige Ferienhausvermieter, die nicht nur Menschen, sondern auch ihre Hunde willkommen heißen.

Nachdem die Sachen verstaut waren und sich ein Überblick über anwesende Hunde, Menschen und die Räumlichkeiten verschafft wurde, ging es auch schon los. Ein ruhiges Wochenende mit vielen Hunden und leckerem Wein wäre zwar auch nett gewesen, aber dieses Mal waren wir da, um zu lernen. Karen Körtge leitete diese interne Fortbildung. Wobei „Fortbildung“ womöglich ein falsches Wort ist, denn es ging um viel mehr als „nur“ um das Lernen von Inhalten, sondern auch darum, sich selbst zu reflektieren und eine neue Rolle zu finden.

Ein wichtiger Bestandteil des Teams

Ein Großteil der Anwesenden hatte gerade seine Ausbildung beendet und arbeitet bereits länger oder kürzer als Hundetrainerin. Während man vor Kurzem also noch „Lernende“ war und sonst HundehalterInnen anleitet, gilt es im Volontariat, eine neue Rolle einzunehmen. Die VolontärInnen sind die Schnittstelle zwischen Institution, DozentInnen und Teilnehmenden. Sie kochen nicht nur Kaffee: Sie vermitteln geltende Regeln und den vorherrschenden Umgang miteinander. Ob Themen wie Pünktlichkeit, Ordnung oder die wertschätzende Kommunikation, auf die bei KynoLogisch viel Wert gelegt wird: Die VolontärInnen leisten all dies und sind somit ein wichtiger Bestandteil des Teams.

Während Karen referierte, praktische Ratschläge gab und auf Rückfragen der engagierten Teilnehmerinnen antwortete, nippte ich an meinem Weißwein und rutschte vor Müdigkeit fast vom Stuhl. Nach einem langen Arbeitstag und einer weiten Anreise ging die Konzentration langsam aber sicher schon mal ins Bett.

Ein kleiner Raum, viele, viele Hunde und kein Problem

Zu meinen Füßen ruhte bereits mein Barney mit seiner „Zahnspange“. Ein kleiner Raum, viele, viele Hunde und kein Problem. Ein Umstand den ich bei KynoLogisch schon zu Ausbildungszeiten sehr genossen habe: Der entspannte Umgang auch mit verhaltensflexiblen Hunden, die gegenseitige Rücksichtnahme und auch die Gelassenheit, mit der auf Konflikte zwischen Hunden (wenn sie doch mal vorkommen) reagiert wird. Diese Atmosphäre überträgt sich schnell auf die Hunde, und so ruhte mein Hund entspannt zu meinen Füßen, während eine läufige Hündin im Zimmer war, ein intakter Rüde immer mal wieder nach „Mutti“ schaute und der niedlichste Dackelmixwelpe durch die Gegend taperte.

Irgendwann ist aber jeder Abend zu Ende und wir machten uns daran, ins Bett zu kommen. Der nächste Tag sollte früh starten…

Gewöhnlich geht ein Seminartag inklusive Pausen von 10-17 Uhr. Dieser Samstag begann allerdings schon um 9 Uhr und ging bis in die Abendstunden. Also hieß es: früh raus nach einer relativ kurzen Nacht. Nach einem leckeren Frühstück und viel Kaffee ging es direkt an die „Arbeit“, bzw. ans Thema „Gruppenprozesse“. Karen stellte nicht nur die Unterschiede zwischen Seminarteilnehmenden und Ausbildungsteilnehmenden vor, sie ging auch auf Gruppenprozesse und -dynamiken ein, die unweigerlich stattfinden. Ein spannendes Feld, auch wenn für mich die Erkenntnis kam, dass ich dazu noch einiges an Lernbedarf habe…

Was macht professionelles Handeln aus?

Kaum waren wir mit diesem doch recht theoretischen Teil fertig, ging es direkt in die praktische Arbeit. Ausgestattet mit Videokameras, nahmen wir ein kurzes Training zu einem vorgegebenen Thema auf. Anders als zuerst gedacht, ging es nicht um die Wertung des Trainings, sondern darum, was professionelles Handeln in der Situation „Hundetraining“ ausmacht. Es rauchten die Köpfe, während verzweifelt versucht wurde, all das Hintergrundwissen, was solch einer Situation zugrunde liegt, wenigstens stichpunktartig zu benennen.

Eine kleine Dia-Show

Viel mehr als Bauchgefühl

Um in einer Trainingssituation ein Team anzuleiten und zu beraten, nutzt eine HundetrainerIn weit mehr als nur ein „vages“ Bauchgefühl und Eigenerfahrung. Sie, bzw. er, kennt und versteht die Lerntheorie, weiß um die biologischen Grundlagen des Hundes, kennt verschiedene Methoden im Training, kann dies im Beratungsgespräch auch vermitteln, dabei auf verschiedene Kommunikationsstrategien und didaktische Mittel zurückgreifen. Im Training wird der Kunde im Idealfall natürlich nicht überfordert, sondern nur die Bereiche für das aktuelle Training ausgewählt und besprochen. Was für eine Herausforderung, der man sich tagtäglich stellt. Und was für ein immenser Unterschied zu jemandem, der mal eben so Tipps gibt, weil es bei dem eigenen Hund geklappt hat.

Als ob Karen damit unsere Köpfe nicht genug zum Rauchen gebracht hätte, ging es als nächstes darum, Feedback zu geben. Ein Feedback, was angenommen werden kann, wertschätzend, aber deutlich, formuliert ist. Wer sich schon immer mal 2 Stunden über einen einzigen Satz unterhalten wollte, kann dies sehr gut mit Karen tun. Was Sprache alles implizieren kann, wurde schnell deutlich.

Knoten im Kopf und konstruktive Kritik

All dies durften wir dann in Kleingruppen selbst ausprobieren. Auf schriftliche Hausaufgaben ein Feedback geben – Wie schafft man es, Kritik anzubringen, so dass sie wirklich konstruktiv ist? Jeder hat sicher schon die Erfahrung machen müssen, wie es ist, kritisiert zu werden und es trifft einen persönlich. Es muss gar nicht so gemeint sein, doch bei einem selbst kommt etwas anderes an. Sprache schafft Realität und nur wer sich in ihr sicher bewegt, kann Realitäten aufzeigen, ohne sie einer Person zuzuschreiben. Und so diskutierten und formulierten wir uns durch den Nachmittag. Am Ende gab es nicht nur Knoten im Kopf, sondern auch konstruktive Texte.

Den Abend verbrachten wir in geselliger Runde mit leckerer selbstgemachter Pizza und gutem Wein. Gemütlich tauschten wir uns über den Alltag als Hundetrainerin aus, gaben Erfahrungswerte weiter und erzählten uns gegenseitig „wie machst denn du das?“. Natürlich zu unseren Füßen: unsere entspannten Hunde.

Der nächste Tag begann direkt um 8 Uhr (ja, es wurde immer früher!). Nach der Besprechung von Organisatorischem und der Übergabe des Hauses an die Vermieterin fuhren wir los zu unserer Abschlusswanderung.

Ein Haufen an Volontärinnen (teilweise mit männlicher Begleitung) und Dozentinnen mit einem noch viel größeren Haufen an Hunden machte sich daran, das Wochenende schön ausklingen zu lassen. Von Tierschutzhund bis Züchterhund, von verträglich bis eingeschränkt verträglich, von klein bis groß, von jung bis alt, von läufig bis kastriert war alles dabei. Ein paar Hunde waren mit Leine gesichert. Ein paar Hunde trugen einen Maulkorb. Es hätte eine explosive Mischung gewesen sein können, wenn nicht alle absolut entspannt gewesen wären. Und so liefen die Hunde größtenteils frei miteinander, durften kommunizieren und Konflikte lösen. Obwohl zwei läufige Hündinnen dabei waren und intakte Rüden, war das Miteinander größtenteils sehr harmonisch.

Nachdem wir feststellen mussten, dass Cafés in diesem Teil Deutschlands doch eher Mangelware sind, kehrten wir in einem Imbiss (=eine Garage, von der aus Bratwürste verkauft wurden) ein (=wir standen draußen). Die Bratwurst war dafür umso leckerer.

Was für ein spannendes und lehrreiches Wochenende. Ich fuhr – wie sicherlich viele andere – mit zahlreichen Denkanstößen nach Hause.

Dieser Erfahrungsbericht ist von Nina Dany. Hier kannst Du alle VolontärInnen kennenlernen.

Alle Fotos sind von Nina Dany.

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